Warum viele Führungskräfte den nächsten Schritt nicht planen – obwohl alles vorbereitet ist
Viele Führungskräfte stehen an einem Punkt, der äußerlich gut geregelt ist.
Ein Aufhebungsvertrag liegt vor, die Rahmenbedingungen stimmen, die Zahlen sind sauber gerechnet.
Und trotzdem wird die Entscheidung vertagt.
Nicht aus mangelnder Entschlossenheit.
Nicht, weil etwas übersehen wurde.
Sondern weil eine zentrale Frage offen bleibt:
Wie sieht eine nächste Phase aus, die wirklich trägt?
Verantwortung endet nicht mit einer Position
Wer über Jahre Verantwortung getragen hat, denkt nicht in klassischen Ruhestandsbildern.
Arbeit war mehr als Beschäftigung.
Sie bedeutete:
- Struktur im Alltag
- klare Rollen und Erwartungen
- Austausch auf Augenhöhe
- Einfluss und Gestaltungsspielraum
Wenn diese Struktur wegfällt, entsteht nicht automatisch Freiheit.
Es entsteht zunächst ein offener Raum, der neu geordnet werden will.
Und genau dieser Moment wird häufig unterschätzt.
Der Übergang ist kein Rückzug – sondern ein Gestaltungsprozess
In vielen Gesprächen zeigt sich ein ähnliches Bild:
Die aktuelle Rolle ist klar.
Der Abschied ist formal geregelt.
Doch für das Danach fehlt ein tragfähiges Bild.
Nicht im Sinne eines konkreten Jobs –
sondern im Sinne von:
- persönlicher Aufgabe
- sinnvoller Wirksamkeit
- einer Rolle, die zur eigenen Erfahrung passt
Solange diese innere Orientierung fehlt, wirkt der Schritt nach außen zwar logisch, innerlich aber unfertig.
Warum Abwarten selten Klarheit schafft
Oft tauchen gut gemeinte Sätze auf:
„Jetzt erstmal rausgehen.“
„Zeit haben.“
„Das ergibt sich dann.“
Für Menschen, die lange gestaltet und entschieden haben, funktioniert dieses Prinzip nur bedingt.
Sinn entsteht hier selten aus Leerlauf, sondern aus bewusster Ausrichtung.
Ohne innere Struktur bleibt das Danach diffus –
und genau das macht Entscheidungen schwer.
Was in Übergängen wirklich hilft
Es geht nicht darum, Vergangenes abzuwerten oder abzuschließen.
Im Gegenteil.
Entscheidend ist die Frage:
Was davon soll bleiben – in neuer Form?
Erfahrung, Haltung, Entscheidungsstärke und Überblick verschwinden nicht mit einer Position.
Sie brauchen jedoch einen neuen Kontext.
Dieser Übergang gelingt nicht zufällig.
Er braucht:
- Klarheit über die eigene Rolle
- eine realistische Einschätzung der eigenen Wirksamkeit
- und einen strukturierten Blick nach vorne
Nicht als Lebenskrise, sondern als professionelle Weiterentwicklung.
Orientierung entsteht durch Ordnung, nicht durch Druck
Wer diesen Schritt bewusst gestalten will, braucht keinen Motivationsimpuls.
Sondern einen Rahmen, in dem Fragen gestellt werden dürfen, ohne vorschnelle Antworten liefern zu müssen.
Genau hier setzt psychologisch fundiertes Coaching für Führungskräfte und Menschen in beruflichen Übergängen an:
als Raum zur Klärung, zur Neuordnung und zur Entwicklung einer nächsten, stimmigen Phase.
Nicht mit vorgefertigten Lösungen,
sondern mit dem Ziel, Anschlussfähigkeit herzustellen –
zwischen dem, was war, und dem, was kommen soll.
Der nächste Schritt muss nicht groß sein – aber stimmig
Der Abschied von einer Position ist kein Verlust an Bedeutung.
Er ist ein Wechsel des Bezugsrahmens.
Ob dieser Wechsel als Bruch oder als Entwicklung erlebt wird,
entscheidet sich nicht am Vertrag –
sondern an der inneren Ordnung.
Veränderung beginnt nicht mit einem Sprung.
Sondern mit einem klaren Bild vom Danach.
