+ Gründen zwischen Risiko, Stress und Selbstführung

Sandra-Neumaier_Gruenden

Warum psychologische Stabilität für Gründerinnen und Gründer entscheidend ist

Gründen ist kein Randthema für die Psyche. Es ist ein Härtetest.

Gründen wird oft als wirtschaftliche Herausforderung beschrieben.

Kapital, Markt, Strategie, Wachstum.

Was dabei regelmäßig unterschätzt wird: die psychologische Realität des Gründens.

Denn Selbstständigkeit ist kein einmaliger Schritt, sondern ein dauerhafter Zustand von Unsicherheit, Verantwortung und Entscheidungsdruck.

Und genau hier entscheidet sich, wer langfristig stabil, handlungsfähig und gesund bleibt – und wer nicht.


Psychologische Stabilität ist kein „Soft Skill“, sondern Erfolgsfaktor

Die Ergebnisse meiner wissenschaftlichen Untersuchung zeigen sehr deutlich:

Gründungserfolg entsteht nicht allein durch Fachwissen oder äußere Rahmenbedingungen.

Er entsteht durch ein dynamisches Zusammenspiel aus Persönlichkeit, Stressbewältigung und psychischer Gesundheit.

Oder klar gesagt:

Wer innerlich stabil ist, kann unternehmerisch stabil handeln.


Welche Persönlichkeitsmerkmale schützen Gründerinnen und Gründer?

In der Untersuchung mit 78 Gründerinnen und Gründern zeigte sich ein klares Muster:

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale stehen in engem Zusammenhang mit psychischem Wohlbefinden und wirken als Schutzfaktoren im Gründungsalltag:

  • Emotionale Stabilität – der Umgang mit Druck, Rückschlägen und Unsicherheit
  • Gewissenhaftigkeit – Struktur, Verlässlichkeit, Selbstdisziplin
  • Verträglichkeit (in moderatem Maß) – soziale Einbindung, Konfliktfähigkeit

Diese Faktoren reduzieren nachweislich Stressbelastung und depressive Symptome – und erhöhen die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben.


Stress ist unvermeidlich – aber nicht unkontrollierbar

Ein zentrales Ergebnis:

Hohe Stresslevel und depressive Symptome beeinträchtigen das Wohlbefinden massiv.

Das ist keine neue Erkenntnis – aber eine entscheidende.

Der Unterschied liegt nicht im Auftreten von Stress, sondern im Umgang damit.

Gründerinnen und Gründer, die ihre inneren Prozesse regulieren können, bleiben wirksam.

Andere geraten schneller in Überforderung, Grübelschleifen oder Entscheidungsstarre.

Selbstständigkeit fordert keine Stressfreiheit –

sie fordert Selbstregulation.


Risikobereitschaft wirkt nur dann positiv, wenn Kontrolle erlebt wird

Spannend ist auch der Blick auf Risikobereitschaft:

Sie erwies sich als Ressource, die mit höherem Wohlbefinden einhergeht –

aber nur dann, wenn sie mit einem Gefühl von Kontrolle und Handlungsfähigkeit verbunden ist.

Blindes Risiko macht nicht stark.

Reflektiertes Risiko schon.

Das bestätigt, wie eng psychische Gesundheit und unternehmerisches Handeln miteinander verflochten sind.


Selbstführung entscheidet über Wachstum oder Erschöpfung

Ein zentrales Fazit der Arbeit lautet:

Gründerinnen und Gründer, die sich selbst führen können, bewältigen die Anforderungen der Selbstständigkeit nachhaltiger.

Selbstführung bedeutet unter anderem:

  • eigene Gedanken bewusst steuern
  • Emotionen regulieren
  • Entscheidungen treffen, auch unter Unsicherheit
  • Verantwortung übernehmen, ohne sich selbst zu verlieren

Das ist kein Persönlichkeitsmerkmal, das man „hat oder nicht hat“.

Das ist trainierbar.


Warum klassische Gründerförderung hier zu kurz greift

Viele Förderprogramme konzentrieren sich auf:

  • Kapital
  • Marktstrategie
  • Netzwerkaufbau

Das ist wichtig – aber nicht ausreichend.

Die Forschung zeigt klar:

Ohne die systematische Stärkung psychologischer Ressourcen bleibt ein entscheidender Erfolgsfaktor unberücksichtigt.

Resilienz, Selbstregulation, Emotionsmanagement und Risikokompetenz sind keine Extras, sondern Grundlagen nachhaltiger Selbstständigkeit.


Psychische Gesundheit ist keine Nebensache – sie ist Voraussetzung

Gründerinnen und Gründer sind keine Wirtschaftssubjekte.

Sie sind Menschen mit individuellen Ressourcen, Grenzen und Bedürfnissen.

Ihr psychisches Wohlbefinden ist nicht der Preis des Erfolgs –

sondern die Voraussetzung für:

  • Kreativität
  • Innovationskraft
  • Durchhaltevermögen
  • unternehmerisches Wachstum

Eine zukunftsfähige Gründungskultur beginnt deshalb nicht bei Zahlen,

sondern bei der inneren Stabilität der Menschen, die sie tragen.


Fazit

Gründungserfolg entscheidet sich nicht nur im Außen.

Er entscheidet sich im Kopf – im Umgang mit Stress, Risiko und Verantwortung.

Wer sich selbst regulieren kann, bleibt handlungsfähig.

Wer innerlich stabil ist, kann unternehmerisch wachsen.

Genau hier setzt wirksame psychologische Begleitung an.


👉 Du bist selbstständig oder stehst kurz vor der Gründung?

Wenn du fachlich stark bist, aber merkst, dass Druck, Stress oder Entscheidungsunsicherheit zunehmen, lohnt sich der Blick auf die psychologische Seite deiner Selbstständigkeit.

➡️ Zur Gründungsberatung & psychologischem Coaching für Selbstständige


📄 Wissenschaftlich interessiert?

Die zugrunde liegenden Erkenntnisse basieren auf meiner empirischen Abschlussarbeit im Studiengang Psychologie.

➡️ Zur Bachelorarbeit (PDF)